Am
11. Mai 1720 wird der berühmte Freiherr Hieronymus Carl Friedrich von
Münchhausen in Bodenwerder geboren. Als 4-jähriger verliert er seinen
Vater. Mehr ist uns aus dieser Zeit nicht überliefert. 1732 tritt
Hieronymus v. Münchhausen, einem Brauch in Adelskreisen folgend, in den
Hofdienst. Er wird Page beim Prinzen Anton Ulrich v. Braunschweig. 1733
reist Anton Ulrich nach Russland, um die Nichte der russischen Zarin zu
heiraten. 1738 folgt Hieronymus seinem Patron und tritt in das russische
Braunschweig-Regiment ein, das Prinz Anton Ulrich kommandiert. Damit
beginnen die Reisen und Abenteuer des Freiherrn v. Münchhausen.
Für seine Tapferkeit im russisch-türkischen Krieg ernennt Anton Ulrich
1739
Hieronymus v. Münchhausen zum Kornett und beschenkt ihn mit drei schönen
Pferden, dazu Schabracken und Pistolen. Ein knappes Jahr später - 1740 -
wird Hieronymus zum Leutnant befördert. Seine Karriere verspricht unter
seinem Patron glänzend zu verlaufen, denn im gleichem Jahr wird der Sohn
Anton Ulrichs v. Braunschweig zum Zar Iwan VI. ernannt. Aber alles endet
nach einem gewaltsamen Thronwechsel, als Elisabeth I., Tochter des Zaren
Peter des Großen, 1741 den einjährigen Iwan und seine Eltern gefangen
nimmt und sie ins Exil schickt. Münchhausens Leben wird seitdem von
Anton Ulrichs tragischem Schicksal überschattet. Zwar übersteht er den
Umsturz heil - vermutlich, weil er zu dieser Zeit in Finnland kämpft -,
aber aus seiner so glänzend begonnene Karriere wird nichts - eine
weitere Beförderung lässt elf Jahre auf sich warten.
Die Garnisonstadt Riga wird jetzt sein hauptsächlicher Aufenthaltsort
- und dort fühlt er sich anscheinend sehr wohl. Diese Rigaer Jahre
beeinflussen nachhaltig seine Fähigkeit als Erzähler, denn in
Freundeskreisen des damaligen Litauen, das erst vor kurzem seine
bedeutende Rolle in der europäischen Geschichte verloren hat, wird gerne
erzählt. An diesen gemütlichen Abendtreffen nimmt Hieronymus v.
Münchhausen oft teil, bestimmt nicht nur als Zuhörer. (Unter Balten
kursieren auch noch in unserer Zeit Anekdoten, die man ihm zuschreibt.)
Aber Riga gibt Hieronymus nicht nur die Liebe zum Fabulieren: Aus dem
livländischen Adel holt er sich seine Lebensgefährtin, Jacobine von
Dunten. Am 2. Februar 1744 schließt er die Ehe, die 46 glückliche Jahre
währen sollte. 1750 wird Hieronymus zum kaiserlich russischen
Rittmeister vorgeschlagen. Er muss aber langsam erkennen, dass Aufstieg
und Karriere für ihn zu Ende sind, also nimmt er den Abschied und fährt
mit seiner Frau heim nach Bodenwerder. Die Abenteuerjahre sind vorbei!
Aber sie haben den Herrn des bescheidenen Landgutes zu einem Weltmann
werden lassen. Ohne die Erlebnisse in der Fremde wäre er vielleicht nie
der große Fabulierer geworden.
Von nun an führt Hieronymus v. Münchhausen das Leben eines
Landedelmannes, der sein Gut bestellt, geselligen Verkehr mit seinen
Gutsnachbarn pflegt, und dessen liebster Zeitvertrieb die Jagd ist. Im
Freundeskreis beginnt sein Erzählertalent berühmt zu werden. Gäste
kommen nach Bodenwerder - auch von weit her -, um fabelhafte Geschichten
zu hören. Zuweilen sind der Göttinger Dichter Gottfried August Bürger,
der Philosoph Georg Christoph Lichtenberg und der Museumsdirektor Rudolf
Erich Raspe, alle drei auch große Erzähler, bei ihm zu Besuch.
Raspe
verschuldet sich später, und um die Schulden zu begleichen, stiehlt er
einige Antiquitäten aus den landgräflichen Sammlungen in Kassel. Der
Diebstahl wird entdeckt, Raspe flieht nach England. Um Geld zu
beschaffen, veröffentlicht er 1785 eine Reihe von Anekdoten und
Reiseabenteuern unter Münchhausens Namen. Die Publikation wird ein
ungeheurer Erfolg. Ihr folgen vier stets erweiterte Neuauflagen. 1786
werden die Geschichten von Gottfried Bürger ins Deutsche übersetzt.
Diese
Publikationen machen Münchhausen zwar weltberühmt, jedoch bringen sie
ihm den Ruf als "Lügenbaron" ein. Der Ärger darüber vergällt ihm den
Rest seines Lebens.
1790 stirbt Jacobine v. Münchhausen. Hieronymus bleibt allein. Um der
Einsamkeit zu entfliehen, heiratet er 1794 als 74-jähriger die
18-jährige Bernhardine v. Brünn. Die Ehe wird unglücklich, schon nach
einigen Monaten beginnt Münchhausen einen 3-jährigen Scheidungsprozess,
der ihn sein ganzes Vermögen kostet. Verbittert und einsam stirbt der
große Fabulierer, Hieronymus Carl Friedrich Freiherr von Münchhausen, am
22. Februar 1797.